"Registered Democrat" - was heißt das?

Im Bezug auf meine Canvassing-Geschichte fragte ein Freund aus Deutschland was man genau unter “registered Democrat” versteht:

Ist ein “registered Democrat” ein Parteimitglied (dann müsste er/sie eigentlich hinreichend motiviert sein, zur Wahl zu gehen), oder ein(e) WählerIn, die lediglich durch ihre Eintragung seine/ihre Nähe zu einer Partei ausrücken will?

Gute Frage! An die Antwort erkennt man, wie verschieden die USA und Europa tatsächlich sind.

Ein “registered Democrat” ist nicht unbedingt gleich einem aktiven Parteimitglied. Da es hierzulande kein Einwohnermeldeamt gibt, muss man sich extra als Wähler registrieren, um ein Wahllokal zugewiesen zu bekommen und wählen zu dürfen. Bei der Registrierung darf man Democrat, Republican oder Independent (parteilos) ankreuzen. Damit wird man zu nichts verpflichtet, aber die Angabe ist öffentlich.

Warum überhaupt etwas ankreuzen, wenn man politisch nicht sonderlich aktiv sein will und sowiewo frei (und vertraulich) wählen darf? In manchen Bundesstaaten (z.B. Pennsylvania) dürfen nur registrierte Demokraten bzw. Republikaner an den jeweiligen Vorwahlen teilnehmen. Das bedeutet z.B., dass “registered Independents” in Pennsylvania die von Bernie Sanders begeistert waren, keine Möglichkeit hatten, für ihn im Kampf gegen Hillary Clinton zu stimmen. (“Selber schuld”, könnte man sagen, da man jederzeit die Registrierung ändern darf.)

pa-togetherVorwahlen gibt es nicht nur bei der Präsidentschaftswahl, sondern auch häufig für Senatoren, Gouverneure usw. Überall dort, wo eine Partei eine überwiegende Mehrheit genießt, sind die Vorwahlen entscheidend, die Hauptwahlen unter Umständen bedeutungslos.

Die Regeln variieren von einem Bundesstaat zum anderen. In Sanders Heimat Vermont wird bei der Registrierung gar nicht nach der Partei gefragt. So gesehen sind alle Vermonter (auch Sanders) automatisch “Parteilose”. Vermont hat auch “open primaries” – offene Vorwahlen. Da darf man frei entscheiden an welcher Vorwahl (demokratisch oder republikanisch) man teilnehmen will. North Dakota ist der einzige Bundesstaat in dem es kein voter registration gibt.

Wer seinen Wohnsitz ändert, muss sich rechtzeitig vor der Wahl unter seiner neuen Adresse registrieren um wählen zu können. (Deadline für die bevorstehende Präsidentschaftswahl war in Pennsylvania der 11. Oktober.) Das vergißt man leicht, und so ist es auch völlig normal, dass Bürger die theoretisch wahlberechtigt wären doch nicht wählen dürfen. Vor jeder größeren Wahl veranstalten die Parteien und andere politischen Organisationen voter registration drives [Registrierungsaktionen] um die Anzahl der aktiven Wähler zu maximieren. Es gibt 14 Staaten in den man sich am Wahltag registrieren und gleich wählen darf.

Eine Freundin in meinem Alter erzählt eine Anekdote, die einen anderen Aspekt der Parteiregistrierung veranschaulicht: Die Freundin stammt aus einer stolzen demokratischen Familie. (Zu ihren Vorfahren gehören die Helden der Arbeiterbewegung, die in den 1930er Jahren die Autogewerkschaft UAW aufbauten.) Sie wuchs hier in Delaware County – damals einer republikanischen Hochburg – auf. Als sie 18 wurde, registrierte sie sich brav und stolz als Demokratin, aber ihre Eltern waren empört und haben sie wieder hingeschickt, um ihre Registrierung zu ändern. Sie rechneten mit Repressalien (Dauerausfall der Müllabfuhr und ähnliches), wenn im Haushalt eine bekennende Demokratin wäre!

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